Harald Welzer – Die Smarte Diktatur – Der Angriff auf unsere Freiheit

Am Dienstag, 31.1.2017, 19 Uhr, stelle ich das Buch im Evangelischen Bildungswerk vor. Bis dahin hier einige Posts zum Thema.

Ich finde es bereichernd, nach der Lektüre eines Buches Rezensionen dazu zu lesen. Z.B. zum o.g. Buch von Harald Welzer in der Zeit. In dem Verriss wird Welzer vor allem seine Fundamentalopposition zum Vorwurf gemacht; gerade das fand ich als Technik-affiner Mensch aber nett zu lesen, weil es dazu zwingt das eigene Tun zu hinterfragen. Der Rezensent faßt Welzers Kritik knapp zusammen:

„Im Netz werde man ganz schnell zum Opfer (Shitstorm). Die Konzerne standardisierten uns alle zu dummen Konsumenten. Die Geräte basierten auf Selbstzwangtechnologien. Die Geheimdienste sammelten Unmengen an Daten. Die Welt bestehe aus „Selfie- und sonstigen Peinlichkeitspostern“. …  „Wir lebten in einer Welt, in der „jeder die Gestapo des anderen ist“.

das wird Welzer nicht annähernd gerecht, vor allem gehen bei dem Staccato Wesensgehalt und Relativierungen jedes einzelnen Arguments völlig verloren, hier nur eine Bemerkung zum allerersten Satz: Harald Welzer verweist auf einen Artikel aus der FAS, unbedingt lesenswert, indem eine chinesische 18-jährige Ladendiebin durch den „Webmob“ über das chinesische Twitter-äquivalent Weibo in den Suizid getrieben wird. In der Scham-Kultur Chinas sein Gesicht zu verlieren, ist ein „soziales Todesurteil“, in Deutschland ist es nicht ganz so schlimm, dafür wird hier genauso gedroht und gehetzt: Frau XXX, an ihren Fingern klebt Blut und wir werden Sie zur Verantwortung ziehen“ (Rechtsextreme zu einer Journalistin). Bei der Hetze gegen Flüchtlinge ist auch der „Sprung von Online zu Offline“ längst vollzogen. Und natürlich, Ausgrenzung gab es schon immer, auch ganz ohne www, doch Welzer vermutet Unterschiede: „Gibt es eine Art Wahlverwandtschaft zwischen den Strukturen einer Netzöffentlichkeit und der gesteuerten öffentlichen Meinung in autoritären und diktatorischen Gesellschaften?“ (S. 46) Klar: totalitären Regimes sind die Quellen egal, ebenso die genauen Umstände, die vielleicht ganz andere Interpretationen eines Vorgangs zur Folge hätten, dann aber dem Diktator oder den Web-Hetzern nicht mehr in den Kram passen könnten. Sind die sozialen Netze also doch nix anderes als eine „Maschinerie für gegenseitige Selbstbestätigung“ (der oben verlinkte FAS-Artikel). Tja. Trump for President!

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